Donnerstag, 26. Oktober 2017

Ein Hundeleben




Hund hat es nicht leicht, wenn hund ein Hund ist. Es wird einfach über einen verfügt, so würde ich nicht gefragt, ob ich nach Italien will, ich würde einfach dahin gezerrt. Nicht, dass das nicht auch seine guten Seiten hat, aber Hund vermisst doch die Menschen, die hund kennt. Auch kann hund auf den Straßen nichts zum Fressen finden, kein vergammeltes Brot, keine angebissene Wurst oder was hund sonst noch so in Berlin finden kann.

Hier wohne ich in einem großen Haus. Als wir ankamen waren viele Menschen da, auch noch kleine Kinder. Dann gingen die und es kamen noch mal drei Menschen, das hat mich ganz verwirrt.  Jetzt sind wir hier alleine, SIE und ich, nur Sara ist manchmal da, aber nur abends.

Das ist Paula,


die Oberbossin. Ich würde ja so gerne mal auf ihrem Schoß sitzen, aber sie ist immer beschäftigt, es ergibt sich nicht. Jetzt ist sie in Indien, in Mumbai und Bengladore, am Freitag kommt sie wieder.

Das ist Sara


Sie geht morgens schon ganz früh aus dem Haus, so früh, dass ich es gar nicht mitkriege. (Ich schlafe schließlich bis 1/2 10, mindestens) und das sogar samstags. Wir holen sie manchmal vom Schwimmingpool ab, wo sie mit dem Ball spielt! Wenn Paula nicht da, schläft sie oft bei ihrer Tante in Varese. Auch sie nimmt mich nie auf den Schoß. Sie wolle nicht nach mir stinken, hat sie gesagt. Als wenn ich stinken würde! Ich hätte schon gerne, wenn sie mich mögen würden.

Unser Zimmer ist schön groß und das Badezimmer auch.


Das Bett ist etwas schmal, schmaler als das in Berlin und ich muss immer mit IHR kämpfen, damit ich ein bisschen Platz habe "Schau mal die ganzen Flecken und Fleckchen auf meinen Beinen an" hat SIE gestern zu mir gesagt, "die sind alle von dir." Manchmal will ich nachts gestrichelt werden, dann muss ich IHR erst ein bisschen an ihrem Kopf rumstehen, bevor sie wach wird und mich endlich streichelt.
SIE hat sich ja solche Gedanken darüber gemacht, ob SIE mein Körbchen mitnehmen soll, ich bin aber ganz glücklich auf dem Bett,

oder auf dem Sessel, auch eine kuschelige Decke auf dem Boden steht zur Auswahl.

Mit der Katze, das ist ein Problem, Cloe heißt sie.

Ich versuche ja, sie zu ignorieren, sie aber beobachten und beobachtet mich und wenn ich etwas näher komme, rennt sie davon! Dann muss ich ja hinter ihr her rennen. Ärgerlich ist auch, dass ich nicht an ihr Futter darf. "Ja nicht, ich warne dich", sagt SIE, sobald ich mich dem Fressen nähere. Dabei solltet ihr mal sehen, was die zu Fressen kriegt, alles nur vom Feinsten. Nicht dass ich mich herablassen würde, Katzenfutter zu fressen, aber trotzdem. Wenn ich ihr Futter mit dem meinem vergleiche, da kann hund schon neidisch werden. Ich mit meinem Trockenfutter. Gut - hin und wieder krieg ich schon auch mal ein Scheibchen Salami, ein Stückchen Käse oder so eine nette Leckerei. Aber trotzdem.
In den letzten zwei Tagen hat sich unserer Verhältnis verbessert, meine ich. Sie rennt nicht gleich weg, also kann ich es mir ersparen, sie zu jagen.

Zum Spazierengehen ist es hier sehr schön. Allerdings muss hund erst ein Stückchen an der Straße entlang laufen. Das ist blöd, weil es keine Bürgersteige gibt und SIE mich an die kurze Leine nimmt, damit ich nicht unter's Auto komme, sagt sie.
Dann muss ich immer so zerren, damit wir auch mal weiter kommen. SIE versteht das nicht und schimpft mit mir, ich solle langsam gehen. 
Dann sind da noch die Hunde, furchtbar, bell' ich euch. Lomnago ist ein Dorf der Villen, jede Villa hat einen großen Garten und in jedem Gärten ist mindestens ein Hund. Wir gehen also die Straße entlang und es wird gebellt.
Das macht mir manchmal richtig Angst und ich muss mich hinter IHR verstecken, damit sie mich beschützt. SIE meint zwar, die könnten mir nichts tun, die wären schließlich hinter einem Zaun, aber kann ich sicher sein?

Wenn wir erstmal im Wald sind ist es herrlich, nachdem ich gelernt habe, diese Stacheln auf dem Boden zu vermeiden. Wir sind ganz alleine, keine Menschen- und Hundeseele weit und breit und es ist ganz still. Nur das Rascheln des Laubes ist zu hören und IHRE Schritte und manchmal, ganz weit oben, ein Flugzeug. Ich kann laufen, so viel ich will, aber ich versichere mich doch immer, wo SIE ist.
Stöckchen fangen macht mir nach wie vor besonders viel Spaß, vor allem, wenn es etwas schwierig ist, sie zu finden, wie in diesem Gewirr von Holz.
Dann will SIE aber die Stöckchen wieder haben: "Bring den Stock" ruft SIE dann. Warum SIE ihn mir erst schmeißt und ihn dann weder haben will, das versteh ich nicht. Außerdem muss ich die doch erst mal knabbern.
Auch auf der Wiese ist es schön und auch da sind wir alleine.

Gestern war ein richtiger Sturm, ich hatte so 'ne Angst, ich wollte nur auf ihren Schoß sitzen und SIE hat ihre Pläne geändert, ist nicht in die Bibliothek, sondern einkaufen gefahren, da konnte ich im Auto mitfahren. Es heißt, wenn es in Deutschland schlechtes Wetter ist, stürmt es hier. Ihr könnt euch also vorstellen, was hier los war.
Und dann noch einen Schrecken. Als wir zurück kamen, hat SIE den Alarm ausgelöst! Was für ein Getöse. Ich musste mich in der Waschküche verkriechen und es hat eine Ewigkeit gedauert, eh SIE das wieder hingekriegt hat, und das auch nur mit Hilfe von Paula, die ja in Bangladore ist, aber mit Whatsapp ist ja vieles möglich. Gott sei Dank war Paula wach, wir hätten sonst die ganze Nacht hier rum machen müssen. Wie spät es da wohl war, die arme Paula!
Dann hat SIE sich in ihrem Zimmer auf den Sessel gesetzt,  ihre Füße auf das Bett gelegt, so konnte ich mich bequem auf ihre Beine legen und mich etwas beruhigen. Wie sehr ich das genieße.
Wir sind jetzt zwei Wochen hier, es kommt mir viel, viel länger vor. Ich bin gespannt, was noch alles auf uns zu kommt.


Montag, 23. Oktober 2017

Geplante Berichte:

Ein Hundeleben
Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten
Überflüssiges Zeug

Freitag, 20. Oktober 2017

1. Bericht aus Italien

In meinem ersten Bericht geht es nicht

- um meine Fahrt von Berlin nach Basel, wo ich bequem in einem Abteil saß, das ich bis Frankfurt mit einem Mann teilte und dann alleine war, wohl auch, weil Kira jedes mal knurrte, sobald jemand die Tür auch nur einen Spalt öffnete

- oder um die enttäuschende Erfahrung mit den schweizerischen Zügen, da ich, anstatt von Basel direkt nach Chiasso fahren zu können, 3 mal umsteigen musste und das mit Hund, Hundekörbchen und Gepäck, das, trotz guten Willens, es o leicht wie möglich zu halten, sehr schwer war und das alles, weil ein Zug ausfiel, der kaputt war.

- es geht auch nicht um Paula's Haus

von dessen Balkon aus der Monte Rosa zu sehen ist. Der mit 4663 M der zweithöchste Berg der Alpen ist

- oder um 'mein' Auto, mit dem ich hier herumkurven kann mit dem ich auch schon mal mit Paula gefahren bin, die dann meinte: "das ist keine Einbahnstraße, du kannst hier rechts fahren " und ich dachte, ich wäre in Schottland!

- es geht nicht um die Esskastanien, die hier überall in Massen auf dem Boden liegen 
 

und der Kira Schwierigkeiten mit dem Laufen machen, auch der Katze

- es geht auch nicht um Roberto, der mit Frau und 8jährigem Sohn von Minneapolis hergeflogen ist, eine Nacht hier übernachtet hat um dann nach Alba zu einem Trüffel Festival zu fahren, danach, am Sonntag nochmal hier schlafen und Montag zurück fliegen wird, der Honig sammelt und über 40 verschiedene Sorten zu Hause hat

- oder darum, wie sich Hund und Katze nähern

- oder um den Parmesankäse
der hier besonders gut und billig ist

Um all das geht es nicht, sondern der Inhalt des 1. Bericht ist 

 Der Müll 

der hier so sorgfältig gesammelt und entsort wird, was mich so  beeindruckt hat, dass ich sofort darüber berichten will. 67 % des Mülls wird hier getrennt eingesammelt.


Es gibt fünf verschiedene Kategorien mit je der eigenen Farbe: Kompost, Papier, Flaschen und Aluminium,  Allgemein und Plastik. Der Müll wird in durchsichtigen Plastiktüten zum Abholen abgestellt, dabei wird kontrolliert, dass alles richtig eingetütet wurde, wenn nicht, wird Bußgeld erhoben. Die Plastiktüten sind aus Gemüse hergestellt und abbaubar. Auch die Tüten in den Geschäften sind aus dem gleichen Material. Allerdings, ist das Fach für Plastik das größte, es ist das in der Mitte, weil es auch hier viel vorverpacktes Zeug gibt. Heute habe ich z. B. Haferflocken aus einer Pappschachtel genommen, die waren noch mal in einer Plastiktüte eingeschweißt. 

Besonders beeindruckt hat mich allerdings die Liste, auf der alles aufgezählt ist, wohin was wohin gehört.
 
Sowas habe ich in Deutschland noch nicht gesehen. Ich gebe zu, in Berlin wird die Abfallbeseitigung eher lasch betrieben und es gibt sicher Gemeinden in Deutschland, die rigoroser vorgehen, es kommt mir allerdings vor, dass es hier besonders ernsthaft betrieben wird.
Es ist z.B. auch verboten, seine Heizung vor dem 15.10. anzumachen, es werden die Schornsteine überprüft, damit nicht etwa doch geheizt wird, sollte es sehr kalt sein, wie es hier in September war, aber bisher im Oktober noch nicht.

Das also wollte ich euch als erstes erzählen. Mal sehen, wie es weiter geht. Nächste Woche ist Paula in Mumbai, dann bin ich mit Sara, Hund und Katze, Vögeln und Fischen alleine im Haus und ich hole Sarah 3x in Varese ab. Ich habe vor, einmal nach Mailand zu fahren, mal sehen, wie das mit Kira wird, die zu Hause bleiben soll. Dem Italienisch bin ich bisher ausgewichenen, ich habe immer noch die Befürchtung, Italienisch und Englisch verträgt sich im meinem Kopfe nicht. Aber noch habe ich ja Zeit.

Weiter unterwegs

Während meiner Wanderung in Schottland gestern, fiel mir mein Blog ein und Ideen purzelten in meinem Kopf, was ich alles beschreiben möchte....